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Konzertbericht: Alcest am 21.01.2014 im Gebäude 9

geschrieben von am 22.01.2014 um 14:34 Uhr

Alcest
Hexvessel (oben), Alcest (unten)

Zuletzt sahen wir Alcest auf dem Summerbreeze 2012 aus größerer Entfernung im gut besuchten Zelt. Zu dieser Zeit stellten sie gerade ihr damals aktuelles Album „Les Voyages De L'âme” vor, auf das bereits nicht nur tellerrandlose Metalheads ein Ohr geworfen hatten, sondern auch Hörer aus anderen Szenen (so es diese heutzutage in diesem Maße noch gibt). Trotz kurzer Spielzeit war dies eine famose Show, wenn auch die große Distanz zur Bühne und das bierselige Umfeld ein völliges Eintauchen in die Musik verhinderten.

Von der ersten Vorgruppe, The Fauns, bekommen wir nur den Ausklang des letzten Songs mit als wir im nahe der Kölner Messe gelegenen Gebäude 9 aufschlagen, schließlich will vorab noch die klaffende Lücke im Magen nach einem arbeitsreichen Tag gefüllt werden.

Als Nächstes schicken sich Hexvessel an, weitere Atmosphäre-bildende Maßnahmen für den Hauptact zu schaffen, was ihnen mit langsam aufbauenden, mäandernden Folk-Doom-Songs (auch: „Forest Folk”) gut gelingt. Der Keyboarder drahtig, der Rest schratig, was nicht despektierlich gemeint ist, sondern auf die eigentümliche Art der Finnen hindeuten soll, die sich nicht nur musikalisch, sondern auch äußerlich bemerkbar macht.
Der Tastenmann ist es dann auch, der für zusätzliche Akzente im Klangbild sorgt, indem er beinahe nahtlos zwischen Violine, E-Piano/-Orgel und einer sanft geblasenen Trompete wechselt. Während ich bei dem Konzert noch denke „Mensch, der Gesang erinnert mich voll an den des Beastmilk-Sängers”, stelle ich bei der Nachrecherche verdutzt fest, dass es sich beim einzigen Nicht-Finnen Mat McNerney (aka Khvost) um eben diesen handelt. Was dafür spricht, dass wir es hier mit einem unverkennbaren Organ zu tun haben. Als Manko, das nicht den Finnen, sondern der Bühnentechnik anzulasten ist, fällt das knarzende Gesangsmikro auf, das auch nach einem Austausch keine hörbaren Verbesserungen nach sich trägt.

Alcest-Vordenker Neige, geschmackvoll gekleidet in ein Chelsea Wolfe-Shirt, deren Konterfei durch das darüber offen getragene Hemd hervorlugt, betritt nachfolgend die Bühne und lädt uns ein in seine Traumwelt, von der er uns in seinen Texten berichtet. Und das mehr schüchtern und „shoegazig” als extrovertiert performend, unterstützt von zwei weiteren langmähnigen Saiteninstrumentalisten zu seiner linken und rechten, von denen gerade der Gitarrist auch als Zweitsänger eine mehr als passable Figur abgibt.
Am grimmigsten schaut noch Drummer Winterhalter - das jedoch vermutlich weniger aus Attitüde, sondern eher wegen Schlafmangel. Obwohl er nicht gleich mastodon'sche Schlagzeugfiguren abzutrommeln hat, muss er dennoch konzentriert die sphärischen Backingtracks im Auge behalten, die er von einem nahestehenden Laptop aus steuert.
Songtitel zu nennen ist an dieser Stelle schwierig, da ich zum einen des Französischen nicht mächtig bin, zum anderen die Alben meist in einem Fluss bzw. Hördurchgang genossen habe. Am vertrautesten sind mir die Stücke von „Les Voyages De L'Âme”, über das ich die Franzosen erst richtig kennenlernte und mit denen ich auch das ein oder andere persönliche Erlebnis verknüpfe. Doch auch die älteren und die des von mir noch ungehörten neuen Albums „Shelter” (zum Beispiel „Opale”) dienen an vielen Stellen als Emotionsauslöser.
„Evil-only-Metaller”, die im gemischten Publikum eher eine Randgruppe darstellen, freuen sich, dass die nur noch sporadisch auftretenden Black Metal-Versatzstücke mit gleicher Inbrunst und Kreischgesang vortragen werden wie in früheren Tagen. Nach dem ausschweifenden Set und einer Zugabe verlassen wir die Traumwelt Neiges gezwungenermaßen wieder, an der er und seine Mitmusiker uns eineinhalb Stunden haben teilhaben lassen.

Qualitativ hochwertigere Fotos als die beiden mit meinem „Krustphone” geschossenen sind übrigens von u.a. Tobias Wimbauer zu finden. Die Stimmung des vorhergenden Konzerts in Wien hat Caroline Traitler schön einfangen können.

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